Unverträglichkeit gegenüber elektromagnetischen Feldern Elektrosensibilität

Rund 10 Prozent der Bevölkerung fühlen sich in ihrer Gesundheit oder ihrem Wohlbefinden durch elektromagnetische Felder wie WLAN, Mobilfunkstrahlung oder Stromleitungen beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung hat viele Namen und wird meist unter der Abkürzung EHS zusammengefasst. Sie zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen. Allen Betroffenen gemeinsam ist die Beobachtung, dass körperliche Symptome während oder nach dem Ausgesetztsein gegenüber bestimmten elektromagnetischen Feldern auftreten – auch dann, wenn sie nicht wissen, dass sie Strahlung ausgesetzt sind. Diese Symptome können von verspannter Nackenmuskulatur über Kopfschmerzen bis hin zu Schwindel und rasendem Puls gehen.

«Funkstrahlung beeinträchtigt meine Gesundheit und mein Wohlbefinden.» Aussage von rund 10 % der Bevölkerung

Elektromagnetische Felder wie z. B. Funkstrahlung lösen bei Betroffenen gesundheitliche Beschwerden aus und/oder beeinträchtigen ihr Wohlbefinden. In einer repräsentativen Umfrage der Universität Bern gaben im Jahr 2006 rund fünf Prozent der Befragten an, bereits gesundheitliche Beschwerden erlebt zu haben, die sie elektromagnetischen Feldern zuschreiben. In einer Umfrage der ETH im Jahr 2020 waren es bereits über 10 Prozent der Befragten. Ein weiteres Drittel der Bevölkerung ist sich nicht sicher, ob sie eventuell auch an Symptomen aufgrund von Strahlung leiden. Besonders häufig genannt wurden Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Die Symptome verschwinden in der Regel spätestens zwei bis drei Tage nach dem Verlassen besonders belasteter Orte.

Die häufigsten Symptome bei Betroffenen
  • Kopfschmerzen
  • Ohrensausen / Tinnitus
  • Konzentrationsprobleme
  • plötzliche Müdigkeit
  • Sehprobleme
  • Schlafstörungen
  • «dusselig» oder «tollpatschig» werden
  • Schmerzen (v. a. Schultern, Nacken, Gelenke)
  • Taubheitsgefühle und Störungen des Tastsinnes
  • Schwindel
  • Schneller Puls, Herzflimmern
  • hoher oder schwankender Blutdruck
  • rotes, heisses Gesicht
  • Fieber
  • Überempfindlichkeit und erhöhte Emotionalität oder Apathie
  • Stressgefühle
  • depressive oder aggressive Stimmung (Reizbarkeit, Streitsucht)

Krankheit, Unfall oder Behinderung?

EHS stellt für Betroffene eine leichte bis sehr schwere Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität dar. Im rechtlichen Kontext kann es sich hier deshalb um eine Krankheit, einen Unfall (wenn plötzlich auftretend) oder eine Behinderung handeln. Wie ist «Behinderung» hier zu verstehen? Menschen mit EHS werden durch Handynutzende, WLAN-Sender und elektronische Geräte in ihrem Alltag behindert. Sie sind (teilweise) arbeitsunfähig, geraten in Einsamkeit, in soziale Isolation und in Existenzprobleme. Daher dürfen sie in öffentlichen Gebäuden, im öffentlichen Verkehr und in Institutionen mit öffentlichem Auftrag (Spital, Altersheim, Schulen etc.) Gleichberechtigung fordern.

Die Grenzwerte für Mobilfunkantennen orientieren sich an derjenigen Grenze, ab der Schädlichkeit nachgewiesen werden kann. Von EHS betroffene Menschen machen jedoch oft die Erfahrung, dass Strahlung bei Feldstärken schon unter 1 V/m für sie schädlich ist. Das widerspricht dem geltenden Umweltschutzgesetz, denn bei der Festsetzung der Grenzwerte und der Umsetzung des Vorsorgeprinzips müssen auch Erfahrungswerte mit berücksichtigt werden. Zudem sind auch die Bedürfnisse der Personengruppen mit erhöhter Empfindlichkeit zu berücksichtigen (Art. 13 Abs. 2 Umweltschutzgesetz)!

Bezeichnungen der Beeinträchtigung
  • Elektrosensitivität -> International gebräuchliche Bezeichnung «Electromagnetic Hypersensitivity» bedeutet das Wahrnehmen von elektromagnetischen Feldern und / oder das – im direkten Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern – Auftreten von Symptomen
  • Elektrosensibilität -> erhöhte Empfindlichkeit auf elektromagnetische Felder
  • Elektrohypersensibilität bzw. -sensitivität -> stärkere Ausprägung von Elektrosensibilität bzw. -sensitivität
  • EHS -> Abkürzung für Elektrohypersensibilität bzw. -sensitivität
  • Unverträglichkeit gegenüber elektromagnetischen Feldern oder Funkstrahlung
  • Allergie auf elektromagnetische Felder oder Funkstrahlung
  • Körperliche / psychische Beeinträchtigung durch elektromagnetische Felder oder Funkstrahlung

Studienlage

Was passiert, wenn Strahlung auf unseren Körper trifft?

Der Körper des Menschen besteht aus Billionen von Molekülen mit einen Plus- und einen Minuspol, wie ein Magnet oder eine Kompassnadel. Damit werden Verbindungen zwischen Molekülen und die Bildung von Zellen überhaupt erst möglich. Funkstrahlung ändert mehrere Millionen oder Milliarden Mal pro Sekunde die magnetische Ausrichtung und durchdringt auch den menschlichen Körper. Moleküle beginnen sich unter dem Einfluss von Mobilfunkstrahlung zu bewegen und können viel weniger gut aneinander andocken, oft stossen sie mit anderen zusammen. Davon betroffen sind alle Bereiche des menschlichen Körpers. Je stärker die Strahlung, umso grösser wird die Unordnung, so dass sogar Wärme entsteht (Mikrowellen-Effekt).

Zellen besitzen Kanäle, die elektrisch geöffnet und verschlossen werden (spannungsabhängige Kalziumkanäle). Elektromagnetische Felder können bewirken, dass sich diese Kanäle öffnen und grosse Mengen an Kalzium-Ionen unkontrolliert in die Zellen einströmen. Diese und weitere Effekte kann ein gesunder Körper bis zu einer gewissen Belastung kompensieren. Anders sieht es bei vorbelasteten, alten oder sich im Wachstum befindenden Menschen aus.

BERENIS: Gesundheitseffekte sind zu erwarten

Die BERENIS als beratende Expertengruppe des Bundes veröffentlichte im Januar 2021 einen Newsletter: «Es zeichnet sich aber ein Trend ab[…], nämlich, dass EMF-Exposition, sogar im niedrigen Dosisbereich, durchaus zu Veränderungen des oxidativen Gleichgewichtes führen kann.» In Bezug auf Menschen mit Diabetes, Immunschwächen, Alzheimer und Parkinson sowie ganz junge und ältere Menschen erkennt die BERENIS: «[…]es ist daher zu erwarten, dass bei Individuen mit solchen Vorschädigungen vermehrt Gesundheitseffekte auftreten.»

ETH: Schlafstörungen durch 5G nachgewiesen

5G-Strahlung stört bei Menschen mit der Genvariante CACNA1C T/C nachweislich die Frequenz der Schlafspindeln und verändert damit den Schlaf, stellte die ETH Zürich in einer interessanten Studie fest. Mindestens ein Drittel bis fast die Hälfte der Bevölkerung hat die Genvariante CACNA1C T/C. Die Effekte traten die ganze Nacht über auf, auch wenn die Probanden Abends vor dem Schlafengehen nur 30 Minuten der 5G-Strahlung ausgesetzt wurden.

Auch bei 2G-, 3G- und 4G-Strahlung konnten im EEG (Hirnstrom-Messung) Veränderungen der Schwingungen festgestellt werden. Die Hirnfrequenzen waren bei Probanden mit der Genvariante CACNA1C T/C deutlich höher, was weniger tiefen Schlaf und kürzere Traumphasen bedeutet.

Stand der Forschung

Es ist nachgewiesen, dass elektromagnetische Felder negative gesundheitliche Effekte auslösen können. Die erwähnten Studien zeigen, dass manche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind. Die Forschung diskutiert derzeit Ansätze, um weitere Symptome zu erklären:  Unter anderem individuelle biologische Unterschiede, unterschiedliche Stressreaktionen des Körpers, Wechselwirkungen mit weiteren Umweltfaktoren sowie psychologische und soziale Einflüsse.

Ebenfalls untersucht werden die Folgen der Beeinträchtigung durch elektromagnetische Felder. Viele Menschen werden durch die Beschwerden im Alltag eingeschränkt. Dies betrifft beispielsweise die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, den Aufenthalt in vernetzten Gebäuden oder die Teilnahme an gesellschaftlichen Veranstaltungen. Das Schweizerische medizinische Beratungsnetzwerk veröffentlichte dazu im Jahr 2025 eine wertvolle Analyse.

Für Betroffene steht häufig nicht die wissenschaftliche Debatte im Vordergrund, sondern die praktische Frage, wie ihre Lebensqualität verbessert werden kann. Dazu gehören Möglichkeiten zur Reduktion persönlicher Belastungen, strahlungsärmere Rückzugsorte, Aufklärung sowie ein respektvoller Umgang mit den Erfahrungen der Betroffenen. Schutz vor Strahlung vermittelt in Kursen an strahlungsarmen Orten Wissen und beantwortet Fragen gerne.

Denken Sie daran: Auch Sie oder Ihre Ihr Nachbarn könnten Symptome durch Strahlung entwickeln. Schaffen auch Sie hauseigene Strahlenquellen wie WLAN und schnurlose Telefone ab. Verkabeln Sie alle Geräte und nutzen Sie auch Ihr Smartphone ohne Funkstrahlung!

Unsere Forderungen:

  • Gleichberechtigung für elektrosensible Menschen, wo Gleichstellung gemäss BehiG gefordert werden darf.
  • Recht auf einen strahlungsfreien Lern-, Arbeits- und Lebensraum (öffentliche Gebäude und Plätze, öffentliche Verkehrsmittel, medizinische Einrichtungen etc.)
  • Verschärfung der bestehenden Grenzwerte
  • Ausgleichszahlungen für die Mehraufwände elektrosensibler Menschen
  • Schaffung einer umweltmedizinischen Fachstelle
  • Vorsorge und Schutz der «nicht sensiblen» Bevölkerung, um sie vor Elektrosensibilität zu schützen.

Internationaler EHS-Tag

Der internationale «Electromagnetic Sensitivity-Tag» (EHS-Tag) macht auf die oft unsichtbaren, aber teils schweren Beeinträchtigungen durch elektromagnetische Felder aufmerksam. Betroffene – auch solche, die erst mit dem EHS-Tag von der Ursache ihrer Beschwerden erfahren – sollen wissen, dass sie nicht alleine sind und ihre Beeinträchtigungen einen realen Grund haben. Ausserdem sollen die Öffentlichkeit und öffentliche Institutionen aufgeklärt und zu Rücksichtnahme motiviert werden.

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